25 Jahre LiA – Von Mut und Zukunftsvisionen
Am 14. April wurde die Stiftung Leben im Alter Herisau (LiA) 25 Jahre alt. Stiftungsratspräsident Max Nadig und Vizepräsidentin Danuta Koller-Brochocka waren bei der Gründung der Stiftung im Jahr 2001 dabei. Max Nadig als Mitglied des damaligen Gemeinderats und Danuta Koller-Brochocka als Einwohnerrätin und Mitglied der Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde. Wir haben den beiden ein paar Fragen gestellt.
Warum wurde die Altersversorgung von Herisau in eine Stiftung überführt?
Max Nadig (MN): Damals standen erhebliche Investitionen an. Die gemeindeeigenen Altersheime im Ebnet und Heinrichsbad waren in einem bedenklichen Zustand. Zudem gab es in den bestehenden Häusern zu wenig Platz. Zwei Volksabstimmungen zu Investitionen in die Altersheime hatten bereits stattgefunden. Beide wurden abgelehnt.
Danuta Koller-Brochocka (DK): Die Bevölkerung wollte keine steuerliche Mehrbelastung, was verständlich war. Den grossen Baubedarf über eine Stiftung zu finanzieren, war schliesslich die beste Lösung. Dass eine Gemeinde die Altersversorgung an eine Stiftung auslagerte, war aber damals sehr ungewöhnlich und brauchte viel Mut.
Was war der prägendste Moment in den letzten 25 Jahren?
MN: Es gibt nicht einen bestimmten Moment. Für mich die Bauprojekte prägend.
DK: Da stimme ich zu. Wir begannen mit dem Um- und Anbau beim Haus Park. Die Bewohnenden mussten während der Bauzeit für mehrere Monate verlegt werden, zum Teil in andere Einrichtungen, zum Teil intern. Während dieser Bauphase entstand auch die ober- und unterirdische Verbindung zum Haus Waldegg. Direkt anschliessend folgte der Umbau des Hauses Ebnet, der sehr teuer aber zwingend notwendig war. Der Boden im Fundament war bereits durchgebrochen, so dass die Erde darunter sichtbar war.
Wie hat sich das Verständnis von "Leben im Alter" verändert?
MN: Neue, übergeordnete Richtlinien wurden eingeführt. Unsere Stiftung war bei deren Entwicklungen immer vorne mit dabei, hat mitdiskutiert und gehörte zu den Ersten, welche die Neuerungen umsetzten. Es ging zum Beispiel um die Integration von älteren Menschen in der Gesellschaft und um ein umfassen-des Angebot für sie. Dazu gehörten unter anderem der Aufbau eines Aktivierungsteams, die gesunde und bedürfnisgerechte Ernährung sowie hausinterne Dienstleistungen, wie Physiotherapie, Zahnarzt oder Coiffeur.
DK: Ganz genau, die Professionalität in der Langzeitpflege hat insgesamt zugenommen. Sowohl beim Angebot als auch im administrativen Bereich. Eine systematische Pflegefinanzierung, wie wir sie heute kennen, gab es vor 25 Jahren nicht. Die Gemeinde zahlte das, was nötig war. Heute wird das Geld gezielter eingesetzt.
Welche Entscheidungen waren rückblickend besonders mutig?
MN: Da denke ich sofort an den Neubau Tanneck. Geplant war eigentlich der Bau eines klassischen Altersheims. Kurz vor Baubeginn legte aber der damalige Geschäftsführer dem Stiftungsrat ein Konzept mit Wohnungen für Betreutes Wohnen vor. Der Stiftungsrat zog die Handbremse und entschied, dieses neue Konzept umzusetzen.
DK: Das war gerade mal eine Woche vor dem Spatenstich! Die Architekten, welche den Zuschlag über einen Architekturwettbewerb bekommen hatten, reagierten umgehend. Die Gebäudehülle musste exakt so bleiben, wie sie am Wettbewerb präsentiert wurde, sonst hätte nochmals ein Wettbewerb stattfinden müssen. Das Innere des Gebäudes planten die Architekten komplett zu altersgerechten Mietwohnungen um, anstelle eines Altersheims. Eine riesige Herausforderung, die sie sehr gut meisterten.
MN: Zum Glück haben wir diesen Spurwechsel gemacht. Das Haus Tanneck, mit Betreutem Wohnen und der Infrastruktur eines Altersheims in der Nähe, ist ein Erfolgskonzept, das die heutigen Bedürfnisse älterer Menschen perfekt abdeckt.
Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Zukunft der LiA?
DK: Es wird immer schwieriger, ausreichend Pflegefachpersonal zu finden. Und aufgrund der Pflegeinitiative werden die Personalkosten ansteigen. Gleichzeitig müssen wir strategisch denken und dürfen die Trends nicht verpassen. Das Betreute Wohnen sollte in Herisau ausgebaut werden. Dies sollte sinnvollerweise in der Nähe der Altersheime geschehen, damit die vorhandene Infrastruktur mitgenutzt werden kann - so wie es beim Haus Tanneck der Fall ist. Denn die Möglichkeit, gemeinsam im angeschlossenen Restaurant zu essen oder an Aktivitäten und Veranstaltungen des Altersheims teilzunehmen, sind gute Mittel gegen Einsamkeit im Alter.
Was macht die LiA aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Institutionen im Langzeitbereich?
MN: Ihre Grösse mit über 200 Pflegebetten und 50 Mietwohnungen sowie das breite Angebot an Wohnformen und Dienstleistungen.
DK: Ich finde, der LiA gelingt eine echte Integration der Bewohnenden ins Dorf- und Quartierleben. Dies unter anderem dank der schönen, öffentlichen Restaurants und der Banketträume.
Was wünschen Sie sich für die Bewohnenden und Mitarbeitenden?
DK: Dass die LiA ein echtes Zuhause für die Bewohnenden ist. Und dass die Mitarbeitenden die hohe Professionalität sichern, gleichzeitig aber wissen, dass auch Humor Platz hat.
MN: Dem schliesse ich mich an. Die LiA soll weiterhin eine attraktive Arbeitgeberin bleiben, mit einem guten Aus- und Weiterbildungsangebot.
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22. Mai 2026